Hinter den Kulissen eines Greenscreen-Drehs

Ein Produktionstag nur mit künstlichem Tageslicht

von bewegtbildwerft/Crew

Was macht man eigentlich, wenn die Wunschlocation für die regelmäßige Aufnahme von Anmoderationen für einen YouTube-Channel nur ein einziges Mal zur Verfügung steht? Eine Lösungsmöglichkeit in diesem Fall: Der Einsatz eines Greenscreens. Wir erzählen aus dem Nähkästchen und erklären im Blogartikel die wichtigsten Aspekte bei Greenscreen-Produktionen.

Die Moderatorin vor dem Greenscreen, links im Vordergrund das Livebild zur Bildkontrolle: Für ein glaubhaftes und technisch einwandfreies Bild gilt es einige Details zu beachten. (Foto: bewegtbildwerft)

Manchmal kann es vorkommen, dass ein Dreh an der Original-Location nicht die beste Wahl ist. Sei es, weil die Location nicht zur Verfügung steht, ein Dreh dort nicht wirtschaftlich wäre oder schlicht, weil die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreicht, um das Set am Originalschauplatz aufzubauen und einzurichten. Auch der beabsichtigte Einsatz von Spezialeffekten oder eine gewünschte Bildanmutung sprechen mitunter für eine besondere Produktionstechnik: den Einsatz eines Greenscreens.

Dabei werden durch digitale Bildbearbeitung im Kamerabild alle Bildpunkte einer bestimmten Farbe – bei der hier vorgestellten Produktion die Farbe „Chromagrün“ – ausgestanzt und durch die entsprechenden Bildpunkte einer definierten Hintersetzergrafik ersetzt. Das klingt auf den ersten Blick recht trivial und einfach, doch im Detail gibt es bei Greenscreen-Produktionen etliches zu beachten. Denn nur so lassen sich viele Fehler wie beispielsweise unsauber ausgestanzte Kanten, halb abgeschnittene Haarsträhnen oder grüne Reflektionen auf Haut, Haaren und Kleidung vermeiden.

Drei elementare Aspekte:
Perspektive, Ausleuchtung und nochmal Ausleuchtung

Im ersten Schritt muss zunächst die gewünschte Hintersetzergrafik produziert oder ausgewählt werden. Für einen realistisch und authentisch wirkenden Bildeindruck muss die Perspektive – insbesondere Höhe, Winkel und Einstellungsgröße – von Hintersetzerbild und Greenscreen-Bild möglichst vollständig übereinstimmen.

Im zweiten Schritt folgt die Ausleuchtung des Greenscreen-Sets: Hier muss die gleichmäßige und gleichfarbige Ausleuchtung des sichtbaren Greenscreens sowie die Grundausleuchtung des Protagonisten mit Führungs-, Aufhell- und Spitzlicht gesetzt werden. Gerade dem Spitzlicht kommt eine besondere Bedeutung zu: es akzentuiert die Kanten des Protagonisten vor dem grünen Hintergrund und ist damit das Zaubermittel sowohl gegen Farbreflektionen als auch gegen eine unsaubere Ausstanzung.

Auch der dritte Schritt dreht sich nochmals um die Ausleuchtung: Nun geht es darum, die Farbtemperatur, Beleuchtung und Stimmung der Hintersetzergrafik möglichst präzise zu reproduzieren oder zu simulieren: Eventuelle sichtbare Lichtquellen, Licht- oder Schattenwürfe müssen stimmig und authentisch in ihrer Wirkung auf den Protagonisten (und natürlich auch auf eventuelle andere Objekte im Bild) erscheinen. Das bedeutet nicht nur, Führungs-, Aufhell- und Spitzlicht entsprechend anzupassen, sondern gegebenenfalls mit weiteren Scheinwerfern oder Effektlichtern beispielsweise die vermeintliche Reflektion einer Tischlampe auf Schulter und Hals der Moderatorin zu erzeugen (in unserem Fall auf dem Foto oben gut erkennbar).

Spätestens dabei wird deutlich, warum der Greenscreen-Dreh nach Möglichkeit nur in vollständig verdunkelbaren Räumlichkeiten stattfinden sollte: Jedes nicht künstlich erzeugte und nicht gezielt gesetzte Tageslicht (zum Beispiel durch Fenster oder offene Türen) wirkt auf den Protagonisten und stört die gleichmäßige Ausleuchtung des Greenscreens. Dadurch wird die Bildanmutung schnell unrealistisch und ein technisch sauberes Ausstanzen herausfordernd bis unmöglich.

Der wichtigste Aspekt:
Das Live-Keying während der Produktion und die Bildkontrolle des Endbilds

Ein vierter sehr wichtiger Schritt ist schließlich die Bildkontrolle: Sie kann ehrlicherweise und endgültig nur anhand des neuen, kombinierten Bildes aus Protagonist und Hintergrund erfolgen. Aus diesem Grund ist es für uns unerlässlich, das digitale Ausstanzen – das sogenannte „Keying“ – bei einfachen Produktionen bereits unmittelbar live und in Echtzeit am Set durchzuführen. Denn allein mit dem Greenscreen-Bild aus der Kamera ließe sich nicht beurteilen, ob der Protagonist in der richtigen Perspektive wirklich richtig kadriert wurde (sprich im Bildrahmen an der richtigen Stelle und in der richtigen Größe positioniert ist) und ob die Ausleuchtung realistisch und glaubwürdig anmutet.

Fände die Bildkontrolle erst nach einem späteren Keying in der Postproduktion statt, würden etliche am Set mit wenig Aufwand korrigierbare Fehler und Probleme erst viel zu spät bemerkt. Sie könnten dann nur noch mit erheblichen Abstrichen an das Endprodukt kompensiert werden. Im schlimmsten Fall würden sie einen Nachdreh und damit den doppelten Produktionsaufwand erforderlich machen.

Nebenbei lässt sich durch die Aufzeichnung des live produzierten, fertig ausgestanzten Bildes einiges an Postproduktionsarbeitszeit und -technikeinsatz sparen. Nichtsdestotrotz empfiehlt sich in vielen Fällen auch dann, das originäre Greenscreen-Bild aus der Kamera für eventuelle spätere Änderungen oder eine aufwändigere Postproduktion zu archivieren.

Dass die Protagonisten vor einem Greenscreen möglichst keine („chroma“-)grünen Kleidungsstücke und Accessoires tragen sollten, ist allgemein bekannt und versteht sich für viele Moderatoren von selbst. Doch auch das gilt heute nur noch eingeschränkt: Bei Notwendigkeit lassen sich mit etwas Aufwand zumindest ähnlich-grünfarbene Elemente im Bild erhalten. Voraussetzung dafür sind neben einer guten Ausleuchtung vor allem ein äußerst gleichmäßig reflektierender Greenscreen und präzise gemessene und gesetzte Keying-Einstellungen.

Über den Autor: Die bewegtbildwerft-Crew

Über den Autor: Die bewegtbildwerft-Crew

Ein kleines, feines und ungewöhnliches Team mit ungewöhnlichen Biografien. Flexibel, engagiert, strukturiert, aber immer mit Hochachtung für gute Ideen und positiv-wirkungsvolle Überraschungen jenseits des Tellerrandes. Wir fordern und fördern uns gegenseitig, probieren aus und brennen für das, was wir tun. Mehr über uns: wir.

Aus dem Produktionsblog-Archiv

Noch mehr Geschichten & Blicke hinter die Kulissen

Goodbye 2017, Welcome 2018: Happy New Year!

31. Dezember 2017

Begeistert und dankbar blicken wir auf das nun fast vergangene Jahr 2017 zurück. All unseren Kunden und Partnern danken wir für die gute und spannende Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten und wünschen für 2018 alles Gute. Mit Vorfreude und Tatendrang starten wir ins neue Jahr.   weiterlesen

© 2018 bewegtbildwerft FILM TV LIVE
Abgerufen am 19. November 2018 um 15:35 Uhr von https://bewegtbildwerft.de/web/produktionsblog/hinter-den-kulissen-eines-greenscreen-drehs
bewegtbildwerft.de